Ausgebremst!

Vom Umgang mit scheinbar "toten Lebenszeiten"

Alles läuft gut. Man steckt mitten im Leben, eilt von einer Aktivität zu nächsten und ist in Gedanken schon bei der kommenden Aufgabe, während man die laufende gerade so zu Ende bringt. Die Tage sind sauber durchgeplant, ein Event reiht sich ans nächste. Und dann wird man plötzlich lahm gelegt... durch einen Stau, in dem nichts vor- und nichts zurückgeht, durch eine Verletzung, die die Beweglichkeit einschränkt oder gar durch eine Krankheit, die einen ans Bett fesselt.

Relativ schnell ist erledigt, was gerade noch unmöglich erschien: die Aktivitäten sind gecancelt, Aufgaben sind delegiert und das Leben geht weiter - das der Anderen - das eigene scheint erst mal in einer Sackgasse festzustecken. Wenn man körperlich einigermaßen fit ist, erscheint diese Zeit als tote und vertane Zeit. Doch ist sie das wirklich?

John Strelecky schildert in seinem Buch "Das Café am Rande der Welt" eine solche Situation. In einem Stau feststeckend fährt der Erzähler nachts von der Autobahn ab, verirrt sich und landet schließlich im Café der Fragen. dort serviert man ihm mit der Speisekarte drei Fragen zum Nachdenken:

  • "Warum bist du hier?"
  • "Hast du Angst vor dem Tod?"
  • "Führst du ein erfülltes Leben?"
Der Erzähler ist verwirrt angesichts dieser Fragen und sucht nach Antworten.
Diese kleine Erzählung ist voller wunderbarer Metaphern, die, man ahnt es schon, alle etwas mit dem Sinn des Lebens und seiner Erfüllung zu tun haben. Stoff zum Reflektieren und Philosophieren also...
Der Erzähler wurde ausgebremst und stellt unerwartet fest, dass die Zeit gar nicht vertan ist, sondern dass ihm die Situation gerade recht kommt, um über Dinge nachzudenken, für die im durchgetakteten Alltag keine Zeit ist.

Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, sein Leben so grundsätzlich in Frage zu stellen, wie es unser Erzähler macht. Dennoch haben solche Zwangs-Auszeiten ihren Sinn. Ja, sie bremsen aus, aber wer nicht hadert, sondern sie für Dinge nutzt, die man im Alltag eben nicht macht, geht meist gestärkt daraus hervor.

Drum hier ein paar Tipps, wie scheinbar "tote Zeiten" positiv genutzt werden können:

  1. Eine Bestandsaufnahme über die aktuelle Lebenssituation ist jetzt durchaus zielführend, denn aus der Ruhe und Distanz heraus sieht man viele Dinge klarer und differenzierter. Also ruhig mal Fragen wie "Was treibt mich an? Wo stehe ich und bin ich zufrieden damit? Wo will ich hin?" stellen und versuchen zu beantworten. Das verlangt mehr Mut als man denkt - und braucht manchmal auch Hilfe von außen.
  2. Wer seinen Sport wegen einer Verletzung nicht ausüben kann, kann seinem Bewegungsdrang vielleicht auf andere Art nachgeben. Mit gebrochenem Finger kann man nicht biken, aber wandern - mit Bandscheibenvorfall eventuell nicht Squash spielen, aber schwimmen - mit Knieproblemen eher nicht joggen, aber biken... Seid offen für Neues, dann geht oft noch was.
  3. Gönnt euch, wozu ihr sonst keine Zeit habt - mal wieder ein Buch lesen, ein Sonnenbad nehmen, ein Rätsel lösen, bewusst Musik hören...
  4. Schlaft ausreichend! Ein heilender Körper braucht Ruhe und viel Schlaf, drum tut jetzt auch ein ausgedehntes Mittagsschläfchen im Schatten eines Baumes oder unter dem Sonnenschirm so gut.
  5. Und das Wichtigste: fühlt euch nicht schuldig an der Situation, ihr habt sie euch nicht ausgesucht - und das denkt auch keiner von euch. Macht euch frei von dem Gefühl, anderen zu Last zu fallen und nehmt Hilfe an. Ihr braucht sie jetzt!

Natürlich passen nicht alle Punkte zu jeder Situation. Was ich aber sagen will: nehmt sie an und macht das Beste daraus. Seht sie nicht als vertane Zeit, sondern als Chance, etwas anderes zu tun als sonst.

 Wem es gelingt, die unerwartete Situation für sich zu nutzen, steht nicht still, sondern entwickelt sich auf unerwartete Weise fort. So wird er körperlich wie geistig gestärkt und ausgeruht daraus hervorgehen und mit Freude und Kraft all die Ideen und Gedanken in die Tat umsetzen, die ihm während der Auszeit in den Sinn kamen!

Carpe diem! - Nutze die Zeit!

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