Von wegen ausgebremst...

Bergwanderwoche statt Bikewoche in Serfaus

Eine Woche vor der lange geplanten, alljährlichen Bike-Woche in Serfaus stürzte ich beim Radeln unglücklich und brach mir den kleinen Finger.  Damit war eine mindestens 6-wöchige Bike-Pause besiegelt und der Urlaub drohte ins Wasser zu fallen. Doch getreu meinem eigenen Leitsatz, dass eine Zwangsauszeit anderweitig sinnvoll genutzt werden kann, entschieden wir uns für den Urlaub. Mein Plan war, süßes Nichtstun durch die eine oder andere Wanderung zu unterbrechen. Doch es kam anders - denn ich entdeckte eine neue Leidenschaft, die der für das Biken sehr nahe kommt: das Bergwandern!

In diesem Bericht beschreibe ich meine  diesjährigen  Wandertouren. Alle Beschreibungen starten und enden in Serfaus. Wer die Touren nachwandern möchte, sollte bis zu 50 % mehr Gehzeit einplanen, da ich zu Trainingszwecken relativ flott unterwegs war. Wer sich mehr für´s Biken in Serfaus interessiert, bekommt in diesem Video einen guten Einblick.

In Serfaus findet übrigens auch unser diesjähriger Body&Mind Retreat statt, bei dem man all diese Outdooraktivitäten mit Coaching und Seminarinhalten kombinieren kann. Mehr dazu im Video oder hier.

 Tour 1: Vom Fisser Joch über den Spinnseeweg ins Urgtal

 

12 km, 1000 hm

Gehzeit: 4 Stunden

 

Beschreibung:

  • Wanderbus von Serfaus nach Fiss
  • Schönjochbahn bis zum Fisser Joch
  • Wanderung zunächst Richtung Oberer Sattelkopf, dann rechts ab auf den Spinnseeweg bis ins Urgtal, am Urgsee vorbei zur Schöngampalm
  • Nach einer leckeren Jause mit der Alpkopfbahn auf den Zwölferkopf
  • Wanderung zum Fisser Joch
  • Schönjochbahn abwärts bis zur Mittelstation
  • Wanderung Richtung Serfaus vorbei an der Möseralm bis zur Bergstation Sunliner
  • Talfahrt nach Serfaus mit dem  Sunliner

Fazit: Eine wunderbare Tour zum Einstieg - nicht zu schwer, aber mit grandiosem Panorama. Der Weg ist schmal und verläuft zum Teil auf Steinfeldern. Man muss also schon schauen, wohin man den Fuß setzt, aber es ist nicht zu steil und nicht ausgesetzt. Klares Highlight ist das Urgtal mit  seinen zahlreichen  Bächen, dem Urgsee und den saftig-grünen  Wiesen.

Erkenntnisse auf dieser Tour: Öfter mal  die  Sportart variieren! Schon beim  ersten  Bergab mit ein  paar Absätzen ahnte ich  den Muskelkater von  morgen - und das,  wo ich dachte, ich sei so fit. Dabei ist Fitness ein ganzheitlicher Begriff - entsprechend werde ich versuchen, auch mein Training ganzheitlicher zu gestalten.

Tour  2: Gipfeltour über  Vorderer Brunnenkopf, Hinterer Sattelkopf, Oberer Sattelkopf

 

12 km, 1000 hm

Gehzeit: 3,5 Stunden

 

 

Beschreibung:

  • Seilbahn zum Komperdell
  • Wanderung über Vorderer Brunnenkopf (2682 m), Hinterer Sattelkopf (2670 m), Oberer Sattelkopf (2596 m) zum Fisser Joch
  • Schönjochbahn bis zur Mittelstation
  • Wanderung über Möseralm und Panoramaweg zurück zum Komperdell
  • Talfahrt nach  Serfaus  mit der Komperdellbahn

Fazit: Der Aufstieg zum Brunnenkopf hat es in sich, denn die  letzten rund 400 hm werden auf einem sehr steilen, etwas ausgesetzten und stufigen Pfad zurückgelegt, der sich in engen Serpentinen zum Gipfel hinaufwindet. Der Lohn für die Mühe ist jedoch garantiert, denn auf dieser Höhe hat man ein überwältigendes 360° Panorama. Auf dem Grat geht es weiter immer auf und ab und ein bisschen zum Kraxeln, so dass es nicht langweilig wird und die Konzentration auf den Weg stets erhalten bleibt. So reiht sich Gipfel an Gipfel. Ich bin auch heute wieder bergauf lieber unterwegs als bergab - wer es lieber bergab mag, kann die Tour auch umgekehrt gehen. So machen es übrigens die meisten, so dass ich beim Aufstieg keinen Menschen getroffen habe - selige Einsamkeit!

Erkenntnisse: Natürlich ist es nicht neu, aber mir ist wieder einmal bewusst geworden, wie wunderschön unsere Welt ist und wie dankbar wir sein müssen, hier sein zu dürfen. Außerdem bin ich nun infiziert und habe gar keine  Lust mehr auf den geplanten Müßiggang.  Das Radeln fehlt mir kaum und ich freue mich über diese Chancen, die sich unerwartet aus der  Zwangsauszeit ergeben haben. 

 Tour 3: Über den Schmugglersteig zum Hexensee

 

12 km, 630 hm

Gehzeit: 3,5 Stunden

 

 

Beschreibung:

  • Komperdell- und Lazidbahn zum Lazid
  • Wanderung über die Scheid auf dem Schmugglerpfad zum Arrezjoch und weiter zur Hexenseehütte (DAV-Hütte) im Masnergebiet
  • Nach einem leckeren Kaiserschmarren zunächst auf dem Schmugglersteig zurück zum Arrezjoch, dann wetterbedingt auf der Fahrstraße zur Scheid und zum Lazid
  • Talfahrt mit Komperdell- und Lazidbahn

Fazit: Die Tour ist nicht allzu schwer, da nie besonders steil. Dennoch ist Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten, denn der Schmugglersteig ist steinig und stufig. Was die Tour besonders macht, ist die "Begegnung" mit den Schmugglern. Auf diesem Weg ist es leicht, sich in die Gefahr zu versetzen, in der sie geschwebt sind - immer wachsam und in der Angst, entdeckt zu werden, nahmen sie den schweren Weg über die Grenze in die Schweiz auf sich, um Waren zu schmuggeln und sich damit eine Existenzgrundlage zu schaffen.

Einfach wunderbar gelegen und an diesem Tag kaum besucht ist die Hexenseehütte, von der man einen fantastischen Blick ins Masnergebiet hat, das wiederum einen ganz anderen Reiz hat als die Berge rund um Serfaus.

Ausruh- und Besinnungstag

  • Chillen am Högsee
  • Besinnung  in der Familien Lichter Kappelle und auf dem Besinnungsweg
  • Spaziergang zum Komperdell und über den Panoramaweg zum Sunliner
  • Sonnen in der Hängematte am Panoramaweg

Fazit: Auch für die Entspannung hält Serfaus so viele Möglichkeiten bereit - und ich bin froh, meinen Beinen ein bisschen Erholung und dem Muskelkater Raum zu lassen.

Erkenntnis des Tages: Das Vater unser, das auf dem Besinnungsweg an 9 Stationen mit interessanten Skulpturen dargestellt ist, ist brand-aktuell, wie seit eh und je. Wer sich darauf einlassen möchte, erhält am Beginn des Weges einen Flyer mit Denkanstößen.


 Tour 4: Über die Böderalpe zum Arrezjoch

 

12 km, 880 hm

Gehzeit: 3 Stunden

 

 

Beschreibung:

  • Seilbahn zum  Komperdell
  • Wanderung zunächst auf dem Fahrweg, dann links auf den Böderweg, vorbei an der Böderhütte und der Mooshütte zum Arrezjoch
  • Nach einer Jause in der freien  Natur wetterbedingt Rückweg auf der Fahrstraße zur Scheid und zum Lazid
  • Lazid- und Komperdellbahn zurück nach Serfaus

Fazit: Wiederum eine Tour  jenseits der viel benutzten Pfade und in fast völliger Einsamkeit. Nach einem kurzen, ziemlich steilen Anstieg auf der Fahrstraße verläuft der Böderweg immer am Hang entlang meist gemäßigt bergauf. Das Panorama ist auch heute wieder ganz anders, denn links erheben sich die Riefenköpfe und der Pezid. Viel Wasser dringt rund um den Böderbach, den ich einmal überquere, ins Tal. Doch der Höhepunkt ist heute nicht das Panorama, sondern die Murmeltiere, sie sich von mir gar nicht stören lassen, sondern sich beim fröhlichen, ausgelassenen Toben beobachten lassen. So putzig! Wunderschön auch die vielen kleinen Tümpel, die rundum von Wollgras umgeben sind, das jetzt so flaumig, weiß und weich blüht.

 Tour 5: Glockhäuser, Blanka- und Furglersee

 

8 km, 800 hm

Gehzeit: 2,5 Stunden

 

 

Beschreibung:

  • Seilbahn zum Komperdell
  • Wanderung zunächst auf dem Murmeltiersteig Richtung Furgler, dann rechts zum Unteren Glockhäuser See (2450 m), weiter zu den Oberen Glockhäuser Seen und zum Blankasee (2620 m), Abstieg zum Furglersee. Auf dem Murmeltierweg weiter bis zum Lazid.
  • Nach einer Pause Talfahrt mit Lazid- und Komperdellbahn,

Fazit: Für mich die spektakulärste der fünf Touren! Ab dem Unteren Glocksee geht es recht steil auf verblockten, steinigen und stufigen Pfaden bergauf. Stellenweise sind sie in der Felslandschaft  nur noch dank der rot-weißen Wegmarkierung zu erkennen. Ein paar hundert Meter vor den Oberen Glockhäuser Seen wird es dann plötzlich flach und es geht auf einer kleinen Hochebene bis zum See. So könnte es auf dem Mond aussehen: fast komplett felsiger Untergrund, und in der wenigen moosigen Erde wächst nur noch sehr spärliches Gras. Ich bin ganz allein und fühle mich wie auf dem Dach der Welt. Dann beginnt der Abstieg, weit weniger schwierig als erwartet. Am Furglersee angekommen ist es mit der Ruhe vorbei, denn hierher kommen viele Wanderer vom Lazid über den Murmeltiersteig. Entsprechend rege ist der Gegenverkehr auf dem Rest der Tour, den ich nach einer Brotzeit am See antrete.

Erkenntnis der Tour: Nach beunruhigenden Nachrichten am Vortag und schlechten Träumen in der Nacht bin ich traurig und mutlos in die Tour gestartet. Doch die Bewegung, das Erlebnis in der Natur und der weite Blick über die Gipfeln der Berge haben geholfen, mit anderen Augen auf die Dinge zu schauen und dankbar für den wertvollen Schatz an Erinnerungen zu sein, den ich diese Woche in meinem Kopf gespeichert habe.

 

Hier fühlen wir uns wohl

 

Gewohnt haben wir wie jedes Jahr in Geiger´s Lifehotel. Hierher finden wir immer wieder zurück, nicht nur wegen der kulinarischen Genüsse, mit denen uns der Küchenchef gerne überrascht, sondern auch wegen der zuvorkommenden Menschen, die uns den Urlaub mit ihrer zuvorkommenden Freundlichkeit verschönern und immer einen hilfreichen Bike-, Wander- oder auch Weintipp für uns haben.

 

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